Duft nach Weiß (kartoniertes Buch)

ISBN/EAN: 9783865325525
Sprache: Deutsch
Umfang: 320 S.
Format (T/L/B): 2 x 19 x 11.5 cm
Einband: kartoniertes Buch
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"Am Abend der Ankunft des ersten Briefes fiel ich sofort in einen tiefen Schlaf. Ich träumte von tanzenden, bunten Häusern, die um mich herum einen Reigen, den Ratschenitza, zu lauter, wilder Musik vorführten. Vor jedem Haus war ein grasgrüner Rasen, den die Häuser wie einen Rock vor sich her schwangen. Deutschland. Hatte ich von diesem Land schon vorher gehört? Ich weiß es nicht mehr. Deutschland. Das wurde das Wort, das mir in den folgenden Jahren alles verheißen sollte, was ich nicht hatte. Deutschland, weiß wie das Papier." Stefanie Gregg wirft einen liebevollen Blick auf Anelijas Familie, auf ihre Kindheit mit Großmutter und Urgroßmutter in Bulgarien. Der Roman erzählt aber auch die Geschichte des regimekritischen Schriftstellers Georgi Markow, der 1978 Opfer des Regenschirm-Attentats in London wurde. Packend und berührend schildert Stefanie Gregg die Lebensgeschichte der beiden, die weit mehr verbindet als die Sehnsucht nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben.
Stefanie Gregg, geboren 1970 in Erlangen, studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie schreibt Kriminalromane, Kurzgeschichten und Romane. Die Autorin wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von München.
Als der Postbote mit diesem weißen Brief winkte und immer wieder rief: 'Ein Brief von ihr, Frau Lulewa!', da nahm meine Baba mich freudestrahlend von ihrem Schoß, um aufzustehen, und sogar die alte Baba Milena kam mit ihrem wackelnden Gang aus dem Haus heraus, um zu sehen, ob es wirklich eine Nachricht von ihr war. Ich staunte über den weißen Umschlag. Ich konnte mich nicht erinnern, je ein so weißes Papier gesehen zu haben. Es strahlte geradezu. Baba und Baba Milena saßen um den Küchentisch und blickten auf den noch ungeöffneten, strahlend weißen Brief wie auf einen Goldschatz. Beide sahen plötzlich so jung aus. 'Komm, Aneltsche, komm, mein Kleines, deine Mama hat geschrieben. Aus Germania, aus Deutschland.' Deutschland. Hatte ich von diesem Land schon jemals vorher gehört? Ich weiß es nicht mehr. Germania. Das klang hart und stark und kraftvoll und ganz anders. Deutschland. Das wurde das Wort, das mir in den folgenden Jahren alles verheißen sollte, was ich nicht hatte. Deutschland, weiß wie das Papier.